Schritte in die richtige Richtung
Ein Interview über ethischen Konsum mit Dirk Bathen vom Trendbüro
Das Trendbüro Hamburg befasst sich mit der Beobachtung von Trends und der Interpretation des Wandels in der Gesellschaft. Dazu arbeiten Sie in ihrem Team mit Wirtschaftswissenschaftlern, Soziologen, Ethnologen, Marketing-Experten, Designern und Kulturwissenschaftlern und verfügen über ein globales Netzwerk von Experten. Sie zeigen, wie sich die Welt verändert und welche Chancen und Gefahren sich für Unternehmen, Marken und Produkte dadurch ergeben. Wir sprachen mit Dirk Bathen, dem stellvertretenden Geschäftsführer.
Was bedeutet heute ethischer Konsum?
Das Thema ethischer Konsum ist ein gesellschaftlich relevantes Thema, welches das Trendbüro bereits 2007 in der OTTO-Trendstudie „Konsumethik“ bearbeitet hat. Seitdem beobachten wir, dass sich das Phänomen immer mehr ausdifferenziert. Im Prinzip ist ethischer Konsum ein nachhaltiger, verantwortungsvoller Konsum, ohne aber für Verzicht zu appellieren. Das ist der Unterschied zur Ökobewegung vor 15, 20 Jahren. Beim ethischen Konsum heute werden Kassenzettel zu Stimmzetteln. Es werden Unternehmen bevorzugt, die fair mit ihren Mitarbeitern, fair mit den Stakeholdern und auch fair mit der Erde umgehen, indem sie ressourcenschonend produzieren. Was wir beobachten konnten, war ein Wandel von der verzichtsorientierten Ökobewegung hin zur Bewegung der LOHAS („Lifestyle of Health and Sustainability“), die mit dem ernsten Thema viel leichter umgehen.
Wie würden Sie diese Art des Umgangs beschreiben?
Grundsätzlich gibt es nicht den typischen LOHAS, auch hier gibt es viele verschiedene Herangehensweisen und Motivationen, ethisch zu konsumieren. Wichtig ist für alle aber der Genuss-Aspekt, also sich selbst etwas Gutes zu tun. Der „Weltverbesserungseffekt“ ist sozusagen der zweite Benefit, der dahinter steht. In erster Linie soll ein Produkt gefallen – und wenn ich dann damit auch noch etwas für die Welt tue, habe ich ein doppelt gutes Gefühl.
Wie könnte sich der ethische Konsum in den nächsten fünf Jahren entwickeln?
Wir stehen vor einer Vielzahl großer Herausforderungen, die bestimmen werden, wie sich das Thema in Zukunft entwickeln wird: Eine große Frage ist beispielsweise, wie wir das Wissen darüber, dass wir nicht so weiter konsumieren können, wie wir das bisher getan haben, in konkretes Handeln umsetzen können. Wir können die Zukunft nicht voraussagen, aber auf Basis des jetzigen Wissens- und Entwicklungsstandes wird das Thema im gesellschaftlichen Gedächtnis einen dauerhaften Platz einnehmen. Die Dringlichkeit zu handeln ist offensichtlich. Insofern glaube ich weniger an ein Worst-Case-Szenario, bei dem sich trotz besseren Wissens nichts ändert, als mehr an ein Best-Case-Szenario, bei dem das Thema Verantwortung konsequent und geschlossen umgesetzt wird.
Wie müssten sich die Akteure im Best-Case-Szenario verhalten?
Das Best-Case-Szenario bezieht sich auf eine grundsätzliche Bereitschaft, neue Wege zu gehen, und einen Willen zur Aktivität bei allen Beteiligten. Die Konsumenten, die Politik, die Unternehmen in der Wirtschaft, die NGOs und alle Stakeholder müssen eine Art Flottenverband bilden und sich gegenseitig unterstützen. Es macht keinen Sinn gegeneinander zu arbeiten, weil letztlich alle ein gemeinsames Ziel haben. Dieses verbindende Element muss man nutzen, um beim Thema ethischer Konsum gewissermaßen einen Obama-Effekt hinzubekommen.
Die Aid by Trade Foundation verfolgt mit der Cotton made in Africa-Initiative einen neuen Entwicklungshilfeansatz. Wie bewerten Sie diesen vor dem Hintergrund des ethischen Konsums?
So weit wir das beurteilen können, ist es grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung, weil hier keine Charity betrieben wird. Spenden stabilisieren lediglich das gegenwärtige System, ohne dass ein Umdenken stattfindet. Die Initiative ermöglicht einen Wandel: Bauern erhalten die Möglichkeit, ihr Leben auf stabile Füße zu stellen, für ihre Kinder zu sorgen und eine Infrastruktur aufzubauen. Zwar gibt es durchaus Kritik, dass alles noch nicht weitreichend genug ist. Doch das ist natürlich ein Totschlag-Argument. Ich würde es positiver sehen: Im Bewusstsein, dass noch hundert Schritte vor uns liegen, muss ein Schritt nach dem anderen getan werden. Veränderung passiert nicht von heute auf morgen. Also ist die Initiative ein wichtiger Schritt, und es bleibt zu hoffen, dass sie weiter ausgebaut wird, andere nachziehen und dass man künftig an einem Strang zieht.
Interview: Sascha Hellmann