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Im Zeitgespräch – Afrika

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Meinungen und Trends zu den wichtigen Themen rund um Cotton made in Africa

Wir sind Fußball!
Die WM in Südafrika rückt näher. Bartholomäus Grill hat jetzt schon ein großartiges Fußball-Afrika-Buch geschrieben

Nelson Mandela war 28 Jahre auf der Insel Robben Island eingesperrt, bevor er im Alter von 74 Jahren entlassen wurde. Mit ihm saßen zahlreiche Menschenrechtsaktivisten und Apartheidgegner ein. Auf einer 547 Hektar großen Insel, sieben Kilometer vom Festland entfernt. Nur wenige Dinge verschafften Trost. Zum Beispiel Fußball. Er half ihnen, die Tristesse der Haft einigermaßen abzumildern. Ab 1970 war es den Häftlingen erlaubt, regelmäßig im Gefängnishof zu kicken. „Fußball auf Robben Island war mehr als ein Spiel. Viel mehr. Er spendete den Gefangenen Hoffnung, er stärkte Körper und Geist, er einte sie im Kampf gegen die inhumanen Haftbedingungen. Er öffnete das Tor zur inneren Freiheit.“

Der langjährige ZEIT-Korrespondent Bartholomäus Grill kennt viele Geschichten rund um den Fußball in Afrika. Gute und schlechte gleichermaßen. Fußball – einmal als Tor zur Freiheit, einmal als Weg in die Hölle. Etwa in Ruanda, wo Tutsi-Angehörige von langjährigen Mannschaftskollegen ermordet wurden. Ein Überlebender sagt: „Die Fußballspieler waren die hartnäckigsten, wenn es darum ging, andere Fußballspieler zu zersäbeln. Sie trugen die Wildheit, mit der sie dem Ball nachjagten, im Herzen.“ Und Grill fügt hinzu: „Es gab keine Kameradschaft mehr, kein Mitgefühl, kein Erbarmen, nichts.“

Doch Fußball überwindet auch Feindschaften und stiftet Frieden. Davon weiß Grill ebenfalls in einer wunderbaren Vielfalt zu berichten. Von Didier Drogba beispielsweise, dem Wunderstürmer vom FC Chelsea, der in seiner Heimat Elfenbeinküste mehr als ein Volksheld ist. Ein Mann, der verfeindete Bevölkerungsgruppen an einen Tisch gebracht hat. Aber auch von sich selbst erzählt der Autor einiges, der in Johannesburg junge Kids in einem Stadtpark zu trainieren beginnt und ihnen gebrauchte Fußballtrikots aus der oberbayerischen Heimat besorgt. „Ich besorgte zwei Lehrbücher aus Deutschland, Aufwärmgymnastik, Zirkeltraining, Spaß mit und ohne Ball, taktische Anleitungen; unsere Übungseinheiten wurden immer professioneller.“

Der Autor weiß nicht nur als „Amateurtrainer“, wovon er spricht. Nein, hier schreibt ein leidenschaftlicher Fan und Sportsmann. Selbst über den Hexenkult zur Vorbereitung auf ein Spiel in der vierten Liga wird mit aufrichtiger Sympathie, aber unnachgiebiger Wertschätzung berichtet. „Für afrikanische Fußballanhänger ist es die natürlichste Sache der Welt, dass magische Mächte die Linien verbiegen, die Flugbahn der Bälle verändern, den Schiedsrichter benebeln oder den Torjäger lähmen ... überall wirken übernatürliche Kräfte mit.“ Auf profanere Umstände hingegen können sich die WM-Teilnehmer aus dem Rest der Welt bereits jetzt einstellen. Etwa, dass Johannesburg auf 1.800 Meter Höhe liegt, die Luft dünn ist und es die Ausdauer der Akteure beeinträchtigen kann.

Wie gesagt: Das Buch von Bartholomäus Grill ist eine großartige Annäherung an Afrikas Lebenswelten. Es berührt, wo es die positive Kraft des Fußballs im Alltag zu entdecken versucht, und es schmerzt, wo es in die Abgründe verwirrter Fußballgeister blicken muss. Was die WM-Aussichten des Gastgeberlandes Südafrika angeht, hat Grill keine großen Hoffnungen: „Vermutlich wird auf keinem Kontinent so häufig aus drei Metern Entfernung über die Querlatte oder neben den Pfosten gedroschen wie in Afrika.“ Wir dürfen gespannt sein, wie Bafana Bafana, so der Name der Nationalmannschaft in Südafrika, abschneiden wird. Wir drücken auf jeden Fall die Daumen.

Text: Peter Felixberger

Grill CoverLiteraturtipp:
Bartholomäus Grill:
Laduuuuuma!
Wie der Fußball Afrika verzaubert.

256 Seiten. Hoffmann und Campe,
Hamburg 2009. 20 Euro

 

<p> </p><b>Bartholomäus Grill:</b><br><i>Laduuuuuma! <br>Wie der Fußball Afrika verzaubert.</i><br>256 Seiten. Hoffmann und Campe,<br>Hamburg 2009. 20 Euro<p> </p>

 

Bartholomäus Grill:
Laduuuuuma!
Wie der Fußball Afrika verzaubert.

256 Seiten. Hoffmann und Campe,
Hamburg 2009. 20 Euro

 

 
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