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Achtung statt Hilfe

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Le Monde Diplomatique legt eine zeitgemäße Publikation über Afrikas Gegenwart vor

In seiner bis heute einzigartigen Reportagesammlung hat der Schriftsteller Ryszard Kapuscinski über Afrika geschrieben: „Dieser Kontinent ist zu groß, als dass man ihn beschreiben könnte. Wir sprechen nur der Einfachheit, der Bequemlichkeit halber von Afrika. In Wirklichkeit gibt es dieses Afrika gar nicht, außer als geografischern Begriff.“ Wer heute über Afrika schreibt und redet, sollte diese mahnenden Worte im Hinterkopf behalten. Die Redaktion der renommierten Zeitung Le Monde Diplomatique hat das getan und versucht, Vorurteile über Afrika aus dem Weg zu räumen, überraschende Hintergründe zu beleuchten sowie neue Perspektiven auf aktuelle Entwicklungen einzunehmen. Einige wichtige Trends und Ergebnisse stellen wir kurz vor:

1. 
Es sind nicht, wie in Europa gerne geglaubt, feindlich gesinnte Ethnien, die oft Gewalt und Bürgerkrieg verursachen. Vielmehr sind es Eliten und Diktatoren, die Unglück über das Land bringen. Literatur-Nobelpreisträgerin Doris Lessing zeigt dies eindrucksvoll am Beispiel von Robert Mugabe in Simbabwe.
2. 
China investiert stärker denn je in Afrika. Alleine in 2006 über sieben Milliarden US-Dollar. Der Löwenanteil geht in die ölproduzierenden Länder wie Nigeria, Angola, Sudan und Äthiopien. Hintergrund: China bezieht knapp ein Drittel seines rasant wachsenden Erdölbedarfs aus Afrika.
3. 
Afrika ist längst Ziel internationaler Migrationsströme geworden. Malaien, Inder und Chinesen im südlichen Afrika. Libanesen, Syrer und Indopakistaner quer über den Kontinent. In der Folge entsteht eine größere Vielfalt an Lebensstilen und Arbeitsweisen. Die schwarzafrikanische Identität des Kontinents wird erheblich bereichert.
4. 
Immer mehr Bürgerbewegungen von unten fordern bessere, sprich: faire Handelsbeziehungen zu Europa, Asien und den USA. Zum Vergleich: Allein für den Zuschuss, den ein US-Baumwollfarmer erhält, müsste ein malischer Bauer 1.000 Jahre arbeiten. Diese oder ähnliche Umstände produzieren heute mehr Widerspruch, Solidarität und Selbstorganisation als früher.
5. 
Nach wie vor sind die reichen Ressourcen und Bodenschätze eine Art „Fluch“ für den ganzen Kontinent. Kein Wunder, wenn etwa der Uranabbau in Niger den Lebensraum der Tuareg bedroht. Kein Wunder, wenn Weltbank und IWF internationale Konzerne in jedweder Richtung unterstützen, wie der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz nachdrücklich analysiert.

Wer dieses Magazin liest, weiß am Ende deutlich mehr über die Schattenseiten Krieg, Armut, Unterentwicklung, Kolonialismus, Hunger und Rohstoffausbeutung. Er lernt aber auch die positiven Seiten kennen. Wie sich ein Kontinent langsam von den alten Kolonialmächten, insbesondere von Frankreich, ablöst. Wie er eigene Wege zu mehr Demokratie und Bürgerbeteiligung sucht und findet. Wie eine reichhaltige Kultur, vor allem in der Literatur und im Kino, sich immer deutlicher artikuliert und sichtbar wird. Nicht zuletzt wie der Fußball Teil eines panafrikanischen Stolzempfindens wird.

Wenn Respekt das ehrliche Bemühen ist, den oder das andere in dessen eigenem Streben zur Geltung kommen zu lassen, besteht die Aufgabe der Europäer künftig darin, diesen neuen Selbstbehauptungswillen der Afrikaner wirtschaftlich, politisch und kulturell zu unterstützen. Oder wie es der senegalesische Wirtschaftsexperte Cheik Tidiane Diop sagt: „Afrika braucht keine Hilfe oder Unterstützung, es braucht vor allem Achtung.“

Text: Peter Felixberger

Edition Le Monde Diplomatique - Afrika. Stolz & VorurteileLiteraturtipp
Edition Le Monde Diplomatique:
Afrika. Stolz & Vorurteile.
112 Seiten. Berlin, Paris 2009.
8.50 Euro

 
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